Ist Angst eine Krankheit?

Wenn Unruhezustände und Angstgefühle entstehen, ohne dass ein wirklicher Grund ersichtlich ist, können sie Anzeichen einer Angststörung sein. Wenn die Ängste fortbestehen und damit den Alltag so bestimmen, dass im Extremfall an ein normales Leben nicht mehr zu denken ist, dann muss Angst eindeutig als krankhaft bezeichnet werden.

Was sich auf den ersten Blick medizinisch leicht und klar definieren lässt, stellt sich in der Praxis als sehr viel schwieriger dar, denn der Schutzinstinkt und das Krankheitsbild Angst gehen fließend ineinander über. Viele Begriffe rund um das Phänomen Angst sind unscharf definiert, stehen aber auch deutlich miteinander in Verbindung. So bedeuten Stress und Angst eine chronische Überlastung und sind damit eine wesentliche Ursache für Burnout. Angst hat sozusagen viele Gesichter. Die Betroffenen neigen dazu, ihre Angstzustände möglichst perfekt zu kaschieren. Angststörungen sind nach wie vor ein Tabuthema und die Betroffenen haben Angst, sich jemandem anzuvertrauen.

Wenn man Angst als behandlungsbedürftige Krankheit definiert, lassen sich drei verschiedene Ausprägungen von Angststörungen unterscheiden:

Phobie

Angst vor eigentlich harmlosen Objekten oder Begegnungen (Situationen, Räumen, Gegenständen, Menschen oder Tieren), die objektiv nicht angstauslösend sind. Bekannt und häufig sind hier Tierphobien, wie die Spinnenphobie (Arachnophobie), sowie die Agoraphobie, eine Angst vor bestimmten Orten, z.B. großen, weiten Plätzen (Marktplätze).

Panikattacke

Plötzlich aufkommende, überfallartige Angst, ohne erkennbaren Anlass, mit extremer Reaktion des vegetativen Nervensystems (Beispiel: Ein schnell schlagendes Herz verursacht ein mulmiges Gefühl im Bauch, der Betroffene glaubt, einen Herzinfarkt zu bekommen, steigert sich in seine Angst hinein, bekommt Atemnot und „schaukelt sich“ zwischen Gedanken und körperlichen Beschwerden auf).

Generalisierte Angststörung

Ängste und Sorgen bestimmen dauerhaft das Denken und das Lebensgefühl der Betroffenen. Die Angst wird zum dauerhaften Gemütszustand, der durch ständiges Grübeln über mögliche Gefahren und Unglücksfälle gekennzeichnet ist. Überhandnehmende Sorgen lassen sich nicht mehr kontrollieren. Es kommt zu einer erhöhten Reizbarkeit, zu Konzentrations- und Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Muskelverspannungen. Mediziner sprechen von einer generalisierten Angststörung, wenn die Symptome ein halbes Jahr anhalten und an den meisten Tagen vorhanden sind.

Angst als behandlungsbedürftiger Zustand

Bei all diesen Angststörungen oder Angsterkrankungen ist das Angstzentrum im Gehirn überaktiv und es besteht ein Ungleichgewicht bei bestimmten Nervenbotenstoffen. Das ist bei den hier definierten Krankheitsbildern so, beginnt aber bereits bei schwächer ausgeprägten Angst- und Unruhezuständen, die eine ernst zu nehmende Tendenz zur Verschlechterung oder Chronifizierung zeigen, wenn sie nicht frühzeitig behandelt werden.